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Magazin - Daimler droht Massen-Dieselrückruf

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25.05.2018 | 15:08
An illuminated logo of Mercedes is seen on the Mercedes-Benz F105 at an exhibition before the Daimler annual shareholder meeting in Berlin

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Im Diesel-Skandal steht nach dem Volkswagen-Konzern jetzt auch Daimler am Pranger: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) könnte nach einem Bericht des "Spiegel" den Stuttgarter Autobauer zum Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen verdonnern.

Das KBA gehe dem Verdacht nach, dass bei diesen Modellen unzulässige Abschalteinrichtungen die Wirkung der Abgasreinigung manipulierten, berichtete das Magazin am Freitag vorab ohne Angabe von Quellen. Die Behörde gelangte im Fall des Modells Vito in dieser Woche erstmals zu der Überzeugung, dass Mercedes die Abgasreinigung "unzulässig" herunterregelte und ordnete den Rückruf von weltweit rund 4900 Fahrzeugen an. Gegen diese Rechtsauffassung kündigte Daimler Widerspruch an und will dagegen notfalls vor Gericht ziehen.

Der Nachweis eines Gesetzesverstoßes hätte noch ernstere Folgen für Daimler als die Kosten für Rückrufe, denn in Deutschland und den USA laufen strafrechtliche Ermittlungen wegen Dieselbetrugs. Daimler-Chef Dieter Zetsche muss am Montag Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in Berlin zum Thema Diesel Rede und Antwort stehen. Der Minister lud den Autoboss zum Gespräch ein, wie eine Sprecherin bestätigte. Zetsche habe zugesagt. Scheuer hat das KBA angewiesen, unverzüglich weitere Verdachtsfälle bei Mercedes zu prüfen. "Ich erwarte, dass Mercedes seinen Kunden gegenüber Klarheit schafft", sagte Scheuer dem Magazin.

DREI MILLIONEN DAIMLER-FAHRZEUGE SOLLEN IN DIE WERKSTATT

Die laut "Spiegel" noch laufende Prüfung des KBA betrifft unter anderem Modelle der C-Klasse und SUVs der G-Baureihe. Diese hätten einen vergleichbaren Motor wie der gerade zurückgerufene Transporter Mercedes Vito. Dazu erklärte Daimler, dem Unternehmen liege keine amtliche Anhörung des KBA - die Vorstufe zu einem Rückrufbescheid - zu den genannten Fahrzeugen vor. Zu "Spekulationen" des "Spiegel" äußere sich der Konzern nicht. Ein Sprecher des KBA wollte zum konkreten Fall ebenfalls nicht Stellung nehmen. Das Amt überprüfe seit dem Beginn des Dieselskandas bei Volkswagen 2015 permanent verschiedene Modelle von verschiedenen Herstellern, sagte er lediglich

Der Autobauer ist unabhängig vom Rechtsstreit bereit, die Wagen per Software-Update in Ordnung zu bringen. Die Motoren stammen vom französischen Partner Renault. Die genaue Zahl der betroffenen Fahrzeuge sei noch nicht geklärt, sagte ein Daimler-Sprecher. Der Vito gehört schon zu den insgesamt drei Millionen Diesel-Fahrzeugen in Europa, die Mercedes von sich aus sauberer machen will. Zu dieser Aktion hatten sich die Schwaben im vergangenen Jahr kurz vor dem Diesel-Gipfel der Bundesregierung entschlossen. Hintergrund war die Diskussion über Dieselfahrverbote und eine aufwändigere Hardware-Nachrüstung, die noch nicht vom Tisch ist. Die seit Ausbruch des Dieselskandals bei VW laufenden Untersuchungen der Behörde hatten vor gut zwei Jahren den ersten freiwilligen Rückruf der deutschen Autobauer angestoßen, wobei auf Mercedes knapp 250.000 von insgesamt 600.000 Pkw entfielen.

RAZZIEN AUCH BEI BMW, AUDI UND PORSCHE

Daimler hatte nach Ausbruch des Dieselskandals bei Volkswagen im September 2015 lange Zeit betont, die Abgasreinigung nicht durch eine Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Schon länger wiederholt der Konzern diese Aussage nicht, denn in Deutschland und den USA laufen noch Ermittlungen zu möglichen Gesetzesverstößen. Im April 2017 wurde Daimler - wie auch schon Audi und zuletzt BMW - im Zuge einer Razzia durchsucht. Die Strafverfolger in Stuttgart vermuteten zu dieser Zeit nach einem Medienbericht Abgasmanipulation bei mehr als einer Million Dieselautos von Daimler.

VW hatte im September 2015 zugegeben, konzernweit elf Millionen Autos so programmiert zu haben, dass die Abgasreinigung nur auf dem Prüfstand, nicht aber auf der Straße ordnungsgemäß funktioniert. Während in den USA dies als Rechtsverstoß bei VW mit Milliarden-Bußgeld geahndet wurde, ist in Deutschland die Frage noch nicht geklärt. Auch die Staatsanwaltschaften in Braunschweig und München ermitteln, ob sich Verantwortliche bei VW, Audi, Porsche und BMW des Betruges schuldig machten.

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