Presseinformation vom 10.02.2012
Ende 2011 haben "Enkeltrick-Betrügereien" bundesweit wieder
deutlich zugenommen, so die Landespolizeidirektion
Karlsruhe. Nach zahlreichen Festnahmen Anfang des Jahres
haben sich die kriminellen Banden neu formiert und
bereichern sich weiter an den Sparguthaben ahnungsloser
Senioren.
Die Dunkelziffer bei Enkeltrick-Betrügereien ist
besonders hoch: Viele Opfer zeigen das Verbrechen nicht
an - aus Scham und Angst vor Ausgrenzung
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Quelle: Postbank
Sie durchforsten Telefonbücher nach altmodisch klingenden
Vornamen, rufen die vermeintlichen Senioren an und geben
sich als Verwandte aus. Sie behaupten, in großen
finanziellen Schwierigkeiten zu sein und dringend Geld zu
benötigen - viel Geld. Immer wieder fallen ältere Menschen
auf diese Betrugsmasche herein.
Die Einsatzgruppe "Cash Down" beim
Regierungspräsidium Karlsruhe, bundesweit aktiv gegen den
Enkeltrick, klärte bis heute 303 Betrugsfälle auf. Davon
waren die Täter in 119 Fällen erfolgreich und erbeuteten
rund 2,2 Millionen Euro. "Wir müssen leider
feststellen, dass nach einer vorübergehenden Beruhigung in
diesem Bereich die Fallzahlen gerade zum Ende des Jahres
2011 wieder deutlich zugenommen haben", sagt Bernd
Hagen von der Landespolizeidirektion Karlsruhe. "Dies
dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sich die
kriminellen Banden nach einer Vielzahl von Festnahmen und
der Zerschlagung der Führungsriege wieder neu strukturiert
haben."
Bei einem geglückten Betrug sind die Folgen für die
Senioren fatal: Oftmals ist das gesamte über Jahrzehnte
angesparte Vermögen weg. Schätzungsweise nur jede zweite
Tat und jeder 20. Versuch wird angezeigt. Die betrogenen
Menschen schämen sich, fürchten Streit mit ihren Kindern
und Enkeln oder die Einweisung ins Altersheim. Viele der
Opfer sind traumatisiert, trauen sich nicht mehr aus dem
Haus oder ans Telefon. Es kommt sogar immer wieder zu
Suiziden.
Zur Prävention setzt die Polizei auf die Kooperation mit
den Banken. Durch eine Sensibilisierung der
Bankangestellten können Enkeltrick-Delikte frühzeitig
erkannt und verhindert werden. "Nicht nur die älteren
Menschen selbst, sondern auch ihr soziales Umfeld wie
Familie, Betreuer und insbesondere Bankangestellte sollten
mit diesem Thema immer wieder konfrontiert und mit den
neuesten Erkenntnissen über die Vorgehensweise der Täter
vertraut gemacht werden", erklärt Anja Maultzsch,
Expertin der Postbank. Aktuell gibt die Postbank in
Kooperation mit der Polizeilichen Kriminalprävention der
Länder und des Bundes eine Aufklärungsbroschüre zum
Enkeltrick heraus, die in den Filialen ausliegt.