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HINTERGRUND-Gold hat für Anleger nichts von seinem Glanz verloren

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14.03.2017 | 08:12
Employees cast gold ingots at Prioksky Non-Ferrous Metals Plant in Kasimov

- von Sethuraman N R und Arpan Varghese und Hakan Ersen

Sie setzen daher weiter auf ebendieses Edelmetall, um sich gegen Börsenturbulenzen oder Inflation abzusichern. Die Furcht vor einem Rechtsruck bei den anstehenden Wahlen in Frankreich und den Niederlanden sowie vor einer enttäuschenden Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Donald Trump bereiten Investoren Kopfschmerzen. "Leute in Europa begegnen der Unsicherheit täglich", sagt Michael Kempinski, Geschäftsführer des Edelmetall-Händlers Degussa Precious Metals Asia. "Wenn der Preis sinkt, kaufen sie mehr. Vor allem die deutsche Öffentlichkeit ist kauflustig. Niemand spricht hier über Zinsen."

Steigende Zinsen schmälern üblicherweise die Attraktivität des Goldes als Inflationsschutz. Da zudem die Spekulationen auf einen baldigen Zinsschritt der US-Notenbank den Dollar-Kurs in die Höhe treiben, wird das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA teurer. Dennoch ist der Goldpreis in den vergangenen Wochen um lediglich etwa 70 Dollar auf rund 1200 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gefallen. Für heimische Anleger verbilligte sich Gold um rund 60 Euro auf etwa 1130 Euro.

TALSOHLE ERREICHT?

Weitere größere Kursrückschläge bei Gold seien angesichts zahlreicher globaler Risiken nicht zu erwarten, betont Fondsmanager Hans Brandt vom Vermögensverwalter Swisscanto. Für Analyst Dominic Schnider von der UBS-Vermögensverwaltung lauert die Gefahr von Enttäuschungen vor allem in den USA, sollte US-Präsident Trump seine Konjunkturprogramme zurückstutzen müssen. "Der Kongress wird ihm nicht geben, was er will", sagte Schnider. Der neue US-Präsident hatte Anfang März billionenschwere Infrastruktur-Investitionen angekündigt. Details zu seinen "phänomenalen" Steuersenkungsplänen blieb er aber schuldig. Auch ist unklar, wie Trump die zusätzlichen Ausgaben finanzieren will.

Vor diesem Hintergrund platzieren Hedgefonds und andere institutionelle Anleger immer mehr Wetten auf steigende Gold-Kurse. An der US-Edelmetallbörse Comex haben sich die sogenannten Long-Positonen seit Jahresbeginn auf mehr als 120.000 verdreifacht. Im Sommer 2016 waren es allerdings doppelt so viele. Damals - kurz nach dem britischen Brexit-Referendum und wenige Monate vor der Wahl Trumps zum US-Präsidenten - kostete Gold mit knapp 1400 Dollar so viel wie seit zwei Jahren nicht.

Neben der Entwicklung am Terminmarkt signalisierten die unverändert hohen Edelmetall-Bestände börsennotierter Gold-Fonds (ETF) eine unverändert große Attraktivität der "Antikrisen-Währung", betont UBS-Experte Schnider. Diese ETF halten derzeit rund 54 Millionen Feinunzen (1680 Tonnen) Gold. Das sind zwar etwa vier Prozent weniger als im vergangenen Sommer, aber rund 15 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

POLITIK ÜBERLAGERT GELDPOLITIK

"Der Einfluss einer US-Zinserhöhung wird durch die anstehenden Wahlen in Frankreich aufgewogen", betont Analyst Edward Meir vom Anlageberater INTL FCStone. Daneben gebe es in Deutschland, den Niederlanden und wohl auch in Italien Urnengänge. "Alle bieten die Möglichkeit von Überraschungen." Sollten europakritische Kräfte an die Regierung kommen, könnte dies die Zukunft der Europäischen Union und der Währungsgemeinschaft in Frage stellen, fürchten einige Börsianer. Notenbank-Präsident Mario Draghi betonte allerdings auf der jüngsten Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB): "Der Euro ist gekommen, um zu bleiben."

Die Niederländer entscheiden am Mittwoch über die Zusammensetzung ihres Parlaments. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass der europakritische Rechtspopulist Geert Wilders in die neue Regierung einziehe, betont LBBW-Analyst Clemens Bundschuh. "Das Risiko für die Kapitalmärkte besteht vielmehr in der Signalfunktion eines überraschend deutlichen Wilders-Sieges für den französischen Urnengang im April." Dort liefert sich Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National für die erste Runde der Präsidentschaftswahl ein Kopf-an-Kopf mit ihrem unabhängigen Kontrahenten Emmanuel Macron.

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