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OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Im Landeanflug, Kommentar zur Lufthansa ...

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12.10.2017 | 20:58

    Börsen-Zeitung: Im Landeanflug, Kommentar zur Lufthansa von Heidi
Rohde
   Frankfurt (ots) - Die Zerschlagung von Air Berlin ist perfekt und 
Lufthansa der große Gewinner. Konzernchef Carsten Spohr hatte 
geduldig auf jenen Tag Mitte August gewartet, an dem Etihad bei Air 
Berlin den Stecker zog und die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft 
Insolvenz anmelden musste. Aller teuren Altlasten wie Schulden, 
Personal und Leasingverträgen enthoben übernimmt Lufthansa ein 
maßgeschneidertes Paket an Fliegern und Routen. Über den Zuschnitt 
hat der Konzern schon vor der Vertragsunterzeichnung mit den 
zuständigen Wettbewerbshütern in Brüssel gesprochen und Auflagen 
einkalkuliert.

   Dennoch bleiben einige nicht unwesentliche Teile des Geschehens, 
die Lufthansa nur schwerlich kalkulieren kann. So ist nicht zuletzt 
von Bedeutung, was mit dem Rest von Air Berlin passiert, den die 
Kranichlinie aus kartellrechtlichen Gründen nicht übernehmen kann. 
Ebenso wie das Air-Berlin-Management hatte Spohr auf den "Partner" 
Easyjet gesetzt, mit dem neben Lufthansa als einzigem seit rund drei 
Wochen exklusive Verhandlungen geführt wurden. Sowohl was die 
Sondierungsgespräche in Brüssel angeht als auch beim Kaufpreis und 
den Folgekosten von rund 300 Mill. Euro dürfte der Konzern 
unterstellt haben, dass auch mit Easyjet ein Abschluss erzielt wird. 
Die Briten sind jener Wettbewerber, der für Lufthansa als berechenbar
gilt, mit dem sie glaubt, am besten auf Augenhöhe konkurrieren zu 
können.

   Doch Easyjet droht im Landeanflug abzudrehen und hat dem Vernehmen
nach ihr Gebot gesenkt. Air Berlin verhandelt mit Hochdruck weiter 
und will - oder muss - nun auch erneut die Thomas-Cook-Tochter Condor
als Interessentin in Betracht ziehen. Dabei drohen dem 
Insolvenzverwalter nicht nur erhebliche Einbußen gegenüber seinem 
bisherigen Szenario, sondern auch die Gefahr, dass Air Berlin das 
Geld ausgeht. Im Wettlauf gegen die Zeit wird seine Position täglich 
schwächer. Das weiß auch Easyjet, die sowohl den Preis drücken als 
auch lukrative Landerechte sichern will.

   Falls Easyjet zu hoch pokert oder sich tatsächlich zum Rückzug 
entschließt, droht der Lufthansa doch noch unliebsame Konkurrenz im 
Heimatmarkt, wenn etwa Ryanair bei der Neuvergabe der Landerechte gut
zum Zuge käme. Neben all diesen Unwägbarkeiten kann die Lufthansa 
überdies nicht sicher sein, dass die Air-Berlin-Piloten in Anbetracht
von Gehaltsabschlägen bis zu 40% bei ihr Schlange stehen werden. 
Falls nicht könnte auch ihr Wachstumskurs von Personalmangel gebremst
werden. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es im Anflug auf die 
Landebahn noch ein paar Turbulenzen gibt.

OTS:              Börsen-Zeitung
newsroom:         http://www.presseportal.de/nr/30377
newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de






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